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Verbreitung alternativer Antriebssysteme: Hybrid- vs. Elektroantrieb
Die EV-olution im Automobilmarkt

Einleitung

Steigende Benzinpreise, Emissionsbelastung, Feinpartikelstaub, Klimawandel, Lärmbelästigung in Innenstädten: dies sind nur einige Gründe dafür, dass immer mehr Konsumenten auf alternative Antriebstechnologien aufmerksam werden und Autohersteller entsprechende Konzepte vorstellen. Vielversprechend gelten dabei insbesondere Konzepte mit Elektroantrieb. Elektromotoren werden mit Akkus/Batterien betrieben, die aus dem Stromnetz aufgeladen werden können und somit günstiger im Unterhalt sind als Verbrennungsmotoren. Sie sind effizient, emissionslos im Betrieb und nahezu vollkommen leise. Wird der Strom für den Elektroantrieb aus regenerativen Quellen bezogen, sind Elektrofahrzeuge sehr umweltfreundlich.

Doch Elektroantriebe haben auch Nachteile. Die Batterien erlauben nur eine begrenzte Reichweite von derzeit ca. 50-300 Kilometern. Ist der Akku leer, muss das Fahrzeug neu aufgeladen werden. Da die Ladezeit mehrere Stunden dauert, stellen Tankstellen keine praktikable Lösung dar, was die Alltagstauglichkeit von Elektroantrieben einschränkt. Die Leistung des Elektrofahrzeugs ist außerdem abhängig vom Ladezustand und teilweise ebenfalls von der Umgebungstemperatur. Weiterhin haben Akkus, wie bei Handys oder Laptops, eine begrenzte Lebensdauer. Es ist zu erwarten, dass diese nach ca. 100.000 Kilometern entsorgt werden müssen.

Als Kompromisslösung, welche die Nachteile aber auch die Vorteile schmälert, können Verbrennungs- und Elektromotoren so kombiniert werden, dass der Verbrennungsmotor als Stromgenerator fungiert, sobald der Akku entladen ist (Elektrofahrzeug mit erweiterter Reichweite) oder sowohl Elektro- als auch Verbrennungsmotor auf den Antrieb wirken (Hybridfahrzeug).

Diese Studie untersucht die Akzeptanz der Konsumenten für Elektroantriebe, Elektroantriebe mit erweiterter Reichweite und Hybridantriebe im Vergleich zu traditionellen Verbrennungsmotoren. Dazu werden zukünftige Kaufentscheidungen modelliert und prognostiziert. Dabei kann ebenfalls die Sensibilität der Konsumenten hinsichtlich Kaufpreis und Reichweite des Elektromotors gezeigt werden. Eine verlässliche Vorhersage der Verbreitung zukünftiger Technologien als Planungsgrundlage ist notwendig, da die Entwicklung neuer Antriebskonzepte und die Umstellung der Produktionsabläufe erheblich Investitionskosten verursacht. Zusätzlich entstehen Opportunitätskosten, da Elektrofahrzeuge einfacher aufgebaut sind und somit das Ersatzteilgeschäft größtenteils wegfällt. Die Profitabilität eines technologischen Paradigmenwechsels ist unsicher, sofern keine langfristige Nachfrage sichergestellt werden kann. Durch die Finanzkrise und da die Börsenwerte vieler Autohersteller auf einem Tiefstand sind, scheint zwar Handlungsbedarf vorhanden zu sein, jedoch birgt die finanzielle Belastung auch ein existenzielles Risiko.


Beschreibung der Studie

Die Befragung wurde im Sommer 2008 durchgeführt. Insgesamt sind 390 vollständige Fälle für die Auswertung verfügbar. Das Sample ist gleichmäßig über die Postleitzahlgebiete Deutschlands verteilt. Aufgrund der Nachfragestruktur des Samples (tendenziell jünger und geringeres Einkommen) werden im folgenden nur die Ergebnisse für Klein- und Kompaktwagen dargestellt (n = 242). Klein- und Kompaktwagen sind für alternative Antriebstechnologien sehr attraktiv, da z.B. im Stop-and-Go des Stadtverkehrs Energie für die Akkus zurückgewonnen werden kann, was sich positiv auf den Verbrauch bzw. die Reichweite auswirkt.

Die Befragung wurde zunächst in einem neutralen Umweltszenario durchgeführt. D.h. es wurden keine weiteren Informationen über die zukünftige Entwicklung gegeben. Um zu untersuchen, inwiefern die Nachfrage auf die zukünftige Umweltentwicklung reagiert, wurden in einem zweiten Untersuchungsteil hypothetische Informationen über ein mögliches Szenario in 5 Jahre gegeben. Diese Informationen wurden so gewählt, dass sie positiv auf die Nachfrage nach alternativen Antriebstechnologien wirken sollten. Im speziellen wurden u.a. folgende Informationen über das positive Umweltszenario gegeben:

  • die Bezinpreise sind weiter gestiegen
  • jeder namhafte Autohersteller bietet mittlerweile Elektrofahrzeuge an
  • das Netz von spezialisierten Werkstätten ist mittlerweile gut ausgebaut
  • Tankstellen bieten Elektrostationen mit Schnell-Ladefunktion an
  • in großen Städten gibt es öffentliche Parkplätze mit Auflademöglichkeit
Dieser Text wurde mit beispielhaften Umsetzungen unterstützt, so dass sich die Befragten die zukünftige Situation besser vorstellen konnten.


Ergebnisse

Die folgende Abbildung gibt den zu erwartenden Trend der Neukäufe von Klein- und Kompaktwagen in Deutschland bei realistischen Preisen und Reichweiten wider. Die Studie verwendet dabei die Annahme, dass alle derzeitigen Marken und Modelle auch als Variante mit Hybrid- oder Elektromotor zur Verfügung stehen. Die prognostizierten Anteile sind somit als maximale Marktpotenzial zu verstehen.

Um zu untersuchen, wie sich die Nachfrage ändert, wenn die Fahrzeugvarianten andere Reichweiten oder Preise aufweisen, steht das folgende Simulationstool zur Verfügung:


Implikationen

Diese Studie nimmt an, dass Autos mit alternativen Antrieben in Zukunft umfassend verfügbar sein werden. Außerdem wird in dieser Studie der Markt für Gebrauchtfahrzeuge vernachlässigt, der sich in den nächsten Jahren ebenfalls entwickeln wird. In dieser Hinsicht sind die Ergebnisse der Studie als obere Grenze des möglichen Marktvolumens für alternative Antriebe zu verstehen. Trotz dieser Annahmen, zeigt unsere Studie sehr deutlich, dass die Zeit für alternative Fahrzeugvarianten gekommen ist. Darüber hinaus können wir eine Vielzahl von Implikationen ableiten.

Für Hersteller lässt die Analyse strategische Entscheidungen zu, welches Fahrzeugsegment in Zukunft die meiste Akzeptanz finden wird und ab wann eine kritische Menge erreicht werden kann. Neben dieser Entscheidung ist für die Produktpolitik weiterhin zu beachten, dass bei Elektrofahrzeugen eine Mindestreichweite sichergestellt werden muss. Eine Reichweite von lediglich 150 km wird dabei überwiegend als inakzeptabel wahrgenommen.

Bezüglich der Preispolitik wurde gezeigt, dass Konsumenten generell dazu bereit sind, z.B. aufgrund geringerer Betriebskosten, einen Aufpreis für alternative Antriebstechnologien zu bezahlen. Es ist jedoch zu beachten, dass ein Wechsel auf Elektroantriebe überwiegend aus Kostengründen vorgenommen wird und somit durch geringere Kaufpreise stark auf die zukünftige Verbreitung Einfluss genommen werden kann (z.B. mittels staatlicher Subventionsprogramme).

Obwohl reine- oder reichweitenerweiterte Elektrofahrzeuge bei realistischen Preisen lediglich eine Nischenlösung darstellen, ist ein Eintritt in dieses Segment für die allgemeine Markenpolitik eines Herstellers gegebenenfalls vorteilhaft. Derzeit vorgestellte Elektrofahrzeuge erzeugen eine hohe Aufmerksamkeit und könnten somit positive Imageeffekte auf die Marke ausüben. Dabei ist allerdings zu beachten, dass ein "grünes" Image momentan stark im Umburch ist. Es sollte also in jedem Fall vorher untersucht werden, ob die Vorstellung eines alternativen Antriebskonzepts zu einer positiven, d.h. erwünschten, Rückwirkung auf die Marke kommt.

Dr. Felix Eggers



Wenn Sie weitere Fragen zur Studie haben oder Interesse am kompletten Ergebnisbericht haben (inkl. direkter Bewertungen der Vor- und Nachteile der alternativen Antriebstechnologien), kontaktieren Sie uns.